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Oberbergische Gesellschaft CJZ e.V.

Oberbergische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.
c/o Frau Heike Breckner
Kirchenkreis An der Agger
Auf der Brück 46
51645 Gummersbach

Fon 0 22 61 - 70 09 39

E-Mail cjz-oberberg@ekagger.de
Homepage www.cjz-oberberg.de

Die Oberbergische Gesellschaft ist Mitglied im Deutschen Koordinierungsrat e.V.
der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Oberbergische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Warum eine christlich-jüdische Gesellschaft im und für den Oberbergischen Kreis?

„Hitler-Land“: So nannten die Nazis das Gebiet zwischen Agger, Wiehl, Bröl und Sieg schon nach den Reichstagswahlen am 14. September 1930. Gerade im südlichen Teil des heutigen Oberbergischen Kreises erzielte die NSDAP früh größte Erfolge.

Bei der Suche nach den Ursachen dieser überdurchschnittlichen Zustimmung der Bevölkerung zu den Nazis spielt neben der wirtschaftlichen („Hafer-Spanien“), sozio-kulturellen und religiösen Situation besonders das Wirken von Dr. Robert Ley eine Rolle. Ley (1890 – 1945) war Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, ein Paladin Hitlers. Im Oberbergischen, in Niederbreidenbach bei Nümbrecht, geboren und mit der christlich-pietistischen Grundhaltung vieler hier verwurzelter Menschen bestens vertraut, verstand er es in seinen Reden, durch christlich geprägten Sprachgebrauch große Zustimmung vor allem bei der evangelischen Bevölkerung zu erreichen, zumal sich die NS-Bewegung zunächst als „Protektor des Christentums“ gerierte und den Begriff des „positiven Christentums“ im Parteiprogramm führte. Eine nicht geringe Zahl evangelischer Pfarrer unterstützte dies zumindest zu Beginn, zumal ihnen die bis 1918 aktuelle Verbindung von Thron und Altar näher lag als das politische System der Weimarer Demokratie.

Die einzige jüdische Gemeinde im heutigen Oberbergischen Kreis mit zuletzt rund 35 Mitgliedern hatte ihren Sitz in Nümbrecht. Ihre Mitglieder wohnten im Wesentlichen in Nümbrecht und Waldbröl. Der Abriss ihrer Synagoge nach Kauf durch die Kommune im Sommer 1938 beendete nach 200 Jahren jüdische Gemeindeexistenz im Kreis. Sofern nicht geflohen oder schon inhaftiert wurden die letzten im Oberbergischen lebenden Juden ab 1942 deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet.

Die nächsten jüdischen Gemeinden befinden sich heute in den Großräumen Bonn, Köln, Wuppertal und Siegen.

Die Oberbergische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit weiß von der historischen Schuld und stellt sich der bleibenden Verantwortung angesichts der in Deutschland und Europa von Deutschen und in deutschem Namen betriebenen Vernichtung jüdischen Lebens. Sie sieht  ihre Legitimation nicht zuletzt in der spezifischen NS-Geschichte dieser Region. Die schwierige Differenzierung zwischen Tätern, Mitläufern, Verführten und Verführern mag ein Zeitzeuge vornehmen, der völlig unbelastete erste Nachkriegs-Landrat dieses Kreises und spätere Bundestagsabgeordnete Dr. August Dresbach:

„Ich hatte mir unendliche Mühe gegeben, Welt und Menschen kennenzulernen, und dieses Weltbild entsprach nicht dem des Herrn Hitler. So sehr ich sonst, allerdings in der Demokratie, für den Kompromiss bin, in diesem Falle gab es das nicht. Aber ich bin nicht geneigt, über all die politisch ungeschulten Menschen den Stab zu brechen, die damals glaubten, es sei eine neuere und bessere Welt erstanden. Der Fluch gilt allerdings den politisch Wissenden, die sich diesem System zur Verfügung gestellt haben, …, weil sie eine persönliche Förderung, eine Karriere, davon erhofften. Nicht fluchen aber kann ich den Kindern und jungen Menschen jener Zeit.“
(Dresbach, August, „Glaube, Hoffnung, Liebe“, 23. 9. 1946, Rede vor der CDU Gummersbach)

Gerechtfertigt ist die Existenz dieser Gesellschaft aber auch angesichts der heraufziehenden aktuellen Bedrohungen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschafts- und Rechtsordnung. So dient sie der Erinnerung an dieses „Gebirge menschlichen Leids“ (Richard von Weizsäcker) und der Mahnung zugleich.
 


Die aus einer alten Scheune zu einem Gotteshaus umgebaute Synagoge
in Nümbrecht, 1828 - 1938